Manchmal braucht es keinen großen Neuanfang. Manchmal reicht ein Ort, an dem man einfach sein darf.
Für mich ist die Zeit bei meiner Schwester genau so ein Ort.
Nach einer intensiven Zeit voller Veränderungen in den letzten 13 Monaten, wie der Trennung nach 20 Jahren Beziehung, dem vorrübergehenden Wegzug aus Hamburg nach 18 Jahren, 2 Wohnungsübergaben und unzähligen Abschieden, brauchte ich vor allem eines: Raum. Nicht, um sofort Antworten zu finden, sondern um durchzuatmen.
Willkommen in Food Heaven
Irgendwann habe ich angefangen, diesen Ort scherzhaft unser Food Heaven zu nennen. Dabei ging es nie nur ums Essen.
Natürlich wird unglaublich gut gekocht mit frischen Zutaten, selbstgemachte Gerichte, lange Frühstücke, gemeinsames Backen, Decaf in der Sonne, Zeit für gemeinsame Abendessen und viele gesunde Leckereien.
Aber Food Heaven bedeutet viel mehr: Es ist Nahrung auf allen Ebenen!
Zeit statt Zeitdruck. Ruhe statt Reizüberflutung. Natur statt Dauerbeschallung. Gespräche statt Small Talk. Verbundenheit statt Funktionieren.
Ich habe meinen Körper nach einer Zeit des Überlebens im letzten Jahr endlich wieder gespürt und gewertschätzt. Habe regelmäßig Sport gemacht, war draußen unterwegs, habe gut und tief geschlafen und regelmäßig gegessen. Das klingt für manche selbstverständlich, ist es aber nicht immer.
















Slow Living irgendwo in NRW
Die Tage hatten plötzlich ein ganz anderes Tempo.
Zwischen Sonne, Regen und Frühlingsblüten, Spaziergängen im Wald und an den Talsperren, Gartenzeit, Musik, Tanzen zwischen den Beeten, vor allem dann wenn das Leben gerade herausfordernd war.
Ich musste niemandem beweisen, dass ich produktiv bin. Ich durfte einfach leben. Einfach sein. Dafür musste ich nicht mal nach Portugal, Dänemark, Schweden oder Sylt reisen, wo ich das Slow Living-Gefühl kennenlernte und bereits erfahren durfte.
Eigentlich war das mein Plan, längere Zeit auf Reisen zu sein, während meine Base hier auf mich wartete. Und ich war auch ein paar Mal unterwegs, nur eben nicht so lange, wie angenommen.
Doch genau in dieser Langsamkeit hier, begann sich etwas in mir neu zu sortieren.
Meine Wünsche & Ziele wurden klarer, mein Herz lauter und mein Kopf von Zeit zu Zeit etwas leiser.
Wenn meine Seele Urlaub braucht, gehe ich in den Garten
Ich liebe die Natur und habe schon immer die Schönheit in den kleinen Details gesehen, doch meine Zeit hier hat mich so viel mehr gelehrt, als ich mir hätte vorstellen können.
Meine Schwester hat sich einen naturnahen Garten geschaffen, was das beudeutet: keinen gemähten Rasen, Insektenfreundliche Beflanzung, Komposthaufen, Regentonne, frische Kräuter & eigenes Gemüse, ein kleines Biotop für Insekten und Tiere.
Was mich richtig glücklich macht: Die kleinen unterschiedlichen Bienenarten und Hummeln zu beobchten, wie sie in die Blüten reinkrabbeln, summen und ihren Blütenstaub sammeln, die Vögel, die in der Hecke ihre Nester bauen und in den Tränken baden, die Fledermäuse, Glühwürmchen, Blindschleichen, Nacktschnecken, Mäuse, Schmetterlinge, Libellen… ja selbst die Wespen, die von unseren Gartenstühlen Holz abbschaben, um ihre Nester zu bauen.
Dank meiner Schwester verstehe ich nun viel mehr die Zusammenhänge in unserer Natur, mehr übers Gärtnern, über Pflanzenarten und wie wertvoll es ist, unserer Verantwortung für all das nachzukommen.
Ich hoffe wir nehmen dazu noch unsere geplante Podcast-Folge auf, um mehr Menschen zu erreichen und wirklich wichtige Impulse weiterzugeben.











Die besten Nachbarinnen der Welt
Zu unserem kleinen Paradies gehört auch die Nachbarschaft.
Unsere Vermieterin zum Beispiel, sie ist 86 Jahre alt und ich war schon ein paar Mal bei ihr zum Kaffee trinken. Wir sprachen dabei offen über Gott und die Welt, über KI und das Leben. Sie ist eine so besondere Frau, ganz herzlich, hellwach im Geist und mit ganz viel Lebenserfahrung im Gepäck, eine wirkliche Inspiration. Ich wurde von ihr mit offenen Armen empfangen.
Eine Nachbarin engagiert sich in der Tierrettung und hat viele Hühner aufgenommen, die bei ihr ihren Lebensabend verbringen dürfen. Glückliche Hühner, die jeden Tag die leckersten Eier legen. Einige in wunderschönem Mint-Grün.
Natürlich werden sie regelmäßig mit frischem Kohl oder Äpfeln von uns verwöhnt.
Solche Momente wirken vielleicht klein. Für mich stehen sie für etwas viel Größeres: für einen liebevollen Umgang miteinander und der Mensch im Einklang mit Tieren sowie der Natur.
Drei Frauen und eine kreative Idee
Aus vielen Gesprächen entstand irgendwann eine Idee: das „Chicken Inn“.
Eine Ferienwohnung im Bergischen Land mit glücklichen Hühnern, gutem Essen, Natur und für Menschen, die Zeit zum Sein möchten.
Es wurden Fußleisten abgeschlifen, im Garten gearbeitet und Ideen ausgetaucht. Ob daraus wirklich Realität wird? Ich weiß es nicht.
Aber genau solche gemeinsamen Visionen liebe ich. Wenn Menschen ihre Gedanken und Wünsche miteinander teilen, sich gegenseitig inspirieren, ermutigen und unterstützen. Ohne Leistungsdruck. Ohne Konkurrenz. Einfach aus Freude am gemeinsamen Gestalten.
So fühlt sich für mich echte Co-Creation an.
















Recharge
Wenn ich für diese Monate ein einziges Wort wählen würde, wäre es: Recharge.
Nicht, weil ich leer war. Sondern weil ich mich wieder mit dem verbunden habe, was mich wirklich nährt.
Mit Bewegung. Mit gutem Essen. Mit Natur. Mit Ruhe. Mit Menschen, bei denen ich nichts darstellen muss. Mit Gesprächen, die in die Tiefe gehen. Mit Lachen. Mit kleinen Alltagsmomenten.
Mit dem Gefühl, dass das Leben gar nicht spektakulär sein muss, um wunderschön zu sein. Und mit mir selbst.










Was ich mitnehme
Die Zeit bei meiner Schwester war nie einfach nur ein vorübergehender Wohnort. Sie ist ein Geschenk!
Ein Ort, an dem ich loslassen konnte. An dem ich wieder Vertrauen in mich und ins Leben gefunden habe. An dem ich lernen durfte, dass Regeneration nichts ist, was man sich verdienen muss.
Manchmal genügt ein gedeckter Tisch. Ein Garten. Ein paar Hühner. Ein gemeinsames Essen. Und Menschen, die einen genauso nehmen, wie man gerade ist.
Vielleicht ist genau das mein persönliches Food Heaven.
Und ich wünsche uns allen mehr solcher Orte. Orte zum Sein.
Mehr zu meiner Zeit der letzten Monate hört ihr in dieser Impulse Storys Podcast Folge: Wenn dein Herz überläuft!
Danke, Schwesterherz!


Schreibe einen Kommentar